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Impressum
ABARIS® Institut für Psychotherapie
im Spiegel der Medien
Net-Business
11. November 2000, Seite 68
Von
Dorothea Sundergeld

Early Life Crisis
Jung, reich und unglücklich auf der Psychocoach
Jahrelang galten 16-Stunden-Tage in der New Economy als normal. Angespornt
von Aktienoptionen und freundschaftlichem Betriebsklima arbeiteten
Angestellte von Internetfirmen bis zur Selbstausbeutung. Jetzt kommen sie
in die Sinnkrise: "Sudden Wealth Syndrom", "Stresssucht" und "Early Life
Crisis" heißen die Krankheitsbilder.
Psychotherapeuten im Silicon Valley haben eine neue Klientel: Junge,
reiche Startup-Mitarbeiter, die an Depressionen leiden. Was fehlt diesen
Endzwanzigern, die in Flipflops und verwaschenen T-Shirts zur Arbeit
gehen, jeden Tag kreative Ideen haben und dafür von ebenfalls jungen,
kreativen Chefs mit Aktienoptionen, Anti-Stress-Massagen und Büroparties
belohnt werden? Sie leiden unter einer verfrühten Midlife Crisis, werden
von Sinnsuche, Stresssymptomen und Depressionen geplagt.
Statt den Dot-Com-Traum zu leben, in dem Kollegen Freunde sind und eine
60-Stunden-Woche wie eine Einladung zur Party klingt, landen sie auf der
Psychiatercoach - oder kündigen gar.
Diejenigen, die ihre Aktien verkauft haben, bevor im März 2000 die
Internet-Seifenblase geplatzt ist, müssten eigentlich froh sein.
Schließlich könnten sie den Rest ihres Lebens in einer Hängematte in der
Karibik dösen. Aber statt ihren Reichtum zu genießen, leiden sie unter "Sudden
Wealth Syndrom" und "Stress-Sucht"...: Schlaflosigkeit, Schuldgefühle,
Angstzustände und Panikattacken.
Der plötzliche Reichtum wird als Last empfunden, nicht als Chance. Wer mit
Anfang 30 soviel erreicht hat wie die Elterngeneration mit Mitte Vierzig,
den erwischt die Sinnkrise. "Bei den schnell reich Gewordenen tritt ein
ähnliches Phänomen ein wie bei Lottogewinnern: Wenn der Geldsegen
plötzlich über sie hereinbricht, haben sie kein Konzept, um damit
umzugehen", sagt
Dietmar G. Luchmann. "Stattdessen fragen sie sich, was sie
eigentlich von ihrem Wohlstand haben". Der Diplom-Psychologe arbeitet am
ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie in Stuttgart-Vaihingen.
Die Nähe zu IBM, Hewlett-Packard und vielen kleinen IT-Unternehmen bringt
ihm zunehmend Patienten aus der New Economy.
Seit Anfang des Jahres hat das Institut eine "Burnout-Sprechstunde"
eingerichtet. "Wer in der New Economy arbeitet, hat nicht nur mit den
klassischen Stressfaktoren wie Leistungsdruck und Wettbewerb unter
Kollegen zu kämpfen, sondern auch mit einer extrem kurzen Halbwertzeit des
Wissens. Es gibt kaum Zeit, kürzer zu treten, um sich zu entspannen". Dazu
kommt der Hang zur Selbstausbeutung bei Mitarbeitern, die Aktienoptionen
bekommen. "Die Leute betreiben Raubbau an ihren körperlichen Ressourcen",
sagt
Luchmann. "Da hilft es auch nicht, wenn der Arbeitgeber
vegetarisches Essen spendiert, den Fitnessklub bezahlt und das Team zum
Segeln nach Mallorca einlädt".
Die deutschen Unternehmen der New Economy entwickeln erst langsam
Sensibilität für die Selbstausbeutung ihrer Mitarbeiter. "Burnout-Phänomen?
Bei uns doch nicht!", lacht Inga Weihe, Junior-PR-Managerin von Yahoo
Deutschland. "Unseren Leuten macht es nichts aus, lang zu arbeiten. Sie
fühlen sich im Büro wie zu Hause!" ...
Für Daphne Rauch, PR-Frau bei der Berliner dooyoo AG, ist das
Burnout-Problem kein Fremdwort: "Uns ist klar, dass die Überlastung der
Mitarbeiter dem Unternehmen dauerhaft nur Nachteile bringt. Gemeinsame
Ausflüge helfen, den Stress abzubauen - aber jeder muss seine eigenen Weg
der Regeneration finden. Ich gehe nach der Arbeit mit einer Kollegin
joggen. Auf dem Hinweg reden wir über den Stress und Ärger des Tages. Auf
dem Rückweg ist viel davon vergessen."
Von Kündigungswellen ist die deutsche Internetwirtschaft noch weit
entfernt. "Aber da kommt noch einiges auf uns zu", sagt
Psychotherapeut Luchmann, "schließlich ist die Branche noch jung
und ein paar Jahre Stress kann ein junger Mensch aushalten."
(Aus: Net-Business)
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